Details
Stapelbar und frei schwingend
Es begann mit einer Impression, die an Caspar David Friedrich erinnerte, wäre sie nicht in der Moderne verankert: Joop Couwenberg beobachtete, wie Fischer Müll aus dem Meer holten. Unendliche Tonnen recyclingfähigen Materials, das eingesammelt wurde, um es zu pressen und in neuer Form zu gestalten. Die Idee, die Lebenszyklen eines Produkts zu verlängern, imponierte ihm und er nutzte sie als treibenden Gedanken für sein neues Objekt: den Kraghocker.
Das Material, für das sich der Industriedesigner entschied, war indes nicht Plastik, sondern weicher Kork, der normalerweise als Verschluss für Weinflaschen dient. Couwenberg sammelte Korken, fand bei seinen Recherchen in Belgien eine soziale Einrichtung, die das Material schredderte und begann, zu experimentieren. »Nach umfangreichen Proben fand ich einen Weg, Granulat aus recycelten Weinkorken zusammen mit einem Gemisch aus Latex und Jute zu einem stabilen und weichen Material zu pressen, das sich zu einer angenehm warmen Sitzfläche verarbeiten lässt«, berichtet der junge Designer, der für einen Sitz etwa 150 Korken benötigt.
Für das geschwungene Stahlrohrgestell ließ sich Couwenberg von den funktionalen Ansätzen des Bauhaus leiten. Die dreieckige Form des Stahlrahmens macht das Möbel stapelbar und trägt zugleich dem gesundem Sitzen Rechnung. »Ich habe die Widerstandskraft genutzt, um ein Objekt zu entwerfen, das aktives und aufrechtes Sitzen fördert«, erklärt er. »Der Stuhl bringt die Hüften nach vorne, so dass der Rücken entlastet wird.«