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By Nina Marti 01.11.2017 09:49 Kommentare

Jeroen van Rooijen – gelernter Modegestalter und mittlerweile anerkannter Redaktor und Journalist im Bereich Mode und Design – sieht gutem Stil gelassen entgegen. Sein Credo: Man kann ihn lernen und man sollte Trends nicht allzu ernst nehmen – das sind doch mal gute Nachrichten!

In unserem Interview hat er uns zudem verraten, welche Möbel geistig verarmen. ;)

Lieber Herr van Rooijen kann man guten Stil lernen?

Davon bin ich überzeugt. Man kann andere schwierige Dinge im Leben lernen, etwa Kochen, Auto fahren oder Flugzeuge zu landen – also dürfte es doch möglich sein, sich mit einem kritischen Selbststudium, der Konsultation von zeitlosen Referenzen und etwas Phantasie auch in Stilfragen weiter zu entwickeln? Ich mag die Theorie nicht, wonach Stil eine Art „Talent“ ist, das man hat oder nicht.

Worauf sollte man beim Einrichten Ihrer Meinung nach achten?

Vermutlich sollte man schauen, dass das, was man sich in die Wohnung stellt, irgendwie auch ein sensibles Spiegelbild der eigenen Wesensart abgibt. Ich denke nicht, dass es viel bringt, mit seinem Mobiliar jemand anderes sein zu wollen. Möbel wie Mode müssen authentisch, narrativ und „erlebt“ sein, und nicht bloss die Staffage eines Lebens, das vorgibt, irgendwo „angekommen“ zu sein.

In der Wohnung von Jeroen und seiner Frau Nina ist die gemeinsame Lebensgeschichte allgegenwärtig und in jeder Ecke spürbar.

Und welche Interior Fehltritte sollten möglichst gemieden werden?

Ich finde kahle und seelenlose Wohnungen viel schlimmer als vollgestellte Buden mit viel Krimskrams und Geschichte. Grausig scheint mir immer, wenn man sieht, dass jemand selbst gar keinen eigenen Geschmack hat, dies aber mit Hilfe von Standardformaten kaschiert. Hier haben auch die Online-Einrichter noch viel Hausaufgaben zu erledigen, wenn es darum geht, den Kunden nicht einfach langweilige Fertigrezepte aufzutischen, sondern sie zu verstehen und auf dem Weg zu einem individuellen Wohnen zu begleiten. Oder ist da der Fachhändler vielleicht doch der bessere Partner?

Aber ist nicht mit den heutigen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung – Social Media, Blogs, Internet etc. – jeder Kreateur und Experte? Inspiration gibt es ja reichlich...

Natürlich kann man sich die einzelnen Bestandteile eines individuellen Stils mühsam aus verschiedenen Versatzstücken zusammenbasteln, und wenn man die Zeit dafür hat, wird es vielleicht auch ein stimmiges Puzzle. Den Fachmann, der eine gefestigte Meinung hat und nicht nur ihre Kundendaten kennt, sondern sie auch als Persönlichkeit begreift, kann man dennoch nicht so leicht ersetzen.

Verraten Sie uns Ihre Geheim-Formel für einen unverkennbaren persönlichen Wohnstil?

Nachdenken, den Blick schärfen, den Horizont weiten und dann immer wieder wenig, aber gut einkaufen. Man sollte die Krempelanbieter mit ihrem enttäuschenden Budget-Mobiliar meiden und lieber Dinge kaufen, die auch nach 20 Jahren noch funktionieren und gut aussehen. Ausserdem soll man die Finger von „Trends“ lassen, sie sind meistens nach wenigen Jahren schon obsolet.

Wie sieht es bei Ihnen zuhause aus?

Noch nicht optimal, aber wir arbeiten dran! Bin trotzdem gerne dort.

Welches sind denn Ihre Möbel-Lieblinge in der Wohnung?

Ich mag den „Slow Chair“ von den Gebrüdern Bouroullec für Vitra sehr gerne, weil er so wirkt, wie er heisst; ich liebe unser grünes Alcantara-Sofa „Polder“ von Hella Jongerius, weil es heiter ist – und ich mag den wuchtigen „Scrapwood Table“ von Piet Hein Eek, weil er praktisch und charakterstark ist.

Der „Slow Chair“ von Vitra steht bei Jeroen von Rooijen genau richtig: in einer übersichtlichen Ecke. Zentrum des Raums: Das knallgrüne Sofa „Polder“ von Hella Jongerius.

Hier werden die Feste gefeiert: der „Scrapwood Table“ von Piet Hein Eek.

Zum Schluss noch unsere Kurz-Fragen: 

Designklassiker oder Ikea?

Ikea nur, wenn es darum geht, temporäre Bleiben, Studentenbuden, Airbnb-Hütten und Bordelle einzurichten. Wer sich vorsätzlich täglich mit diesem Ramsch konfrontiert, verarmt geistig.

Ihr Lieblingsraum Zuhause?

Die offene Küche. Hier passiert das Leben.

Farbig oder lieber schwarz/weiss?

Farbig, kombiniert mit Schwarzweiss.

Kunstdruck oder Gemälde?

Kunstdruck, die wechselt man eher einmal. Gemälde sind mir persönlich zu bedeutungsschwer, auch wenn sie natürlich „richtig“ sind.

Ihr neuestes Wohnaccessoire?

Ein ästhetisch ansprechender WC-Besen – sehr schwer zu finden!

Herzlichen Dank Jeroen van Rooijen für diesen kreativen Austausch!

(Photo credits: Bild Jeroen van Rooijen: Beni Blaser, andere Bilder: Catherine Gailloud)

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