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By Marina Häberle 12.12.2018 10:10 Kommentare

Heute werfen wir einen Blick hinter die Kulissen und rücken den international bekannten Interior-Designer Alfredo Häberli in den Fokus. Der Züricher mit argentinischen Wurzeln schloss im Jahre 1991 sein Industriedesign-Studium ab. Heute arbeitet er für viele renommierte Firmen wie Georg Jensen, Iittala und Vitra. Mit seinen Konzeptionen und Entwürfen für Industrie- und Möbeldesign gehört er zu den gefragtesten Designern weltweit.

Lieber Herr Häberli, Sie sind in Argentinien geboren. Ihr Design wird oft als ausdrucksstark und emotional charakterisiert. Würden Sie sagen, dass Ihre Werke durch Ihre frühe Kindheit in Lateinamerika mitbestimmt wurden?
Ich weiss nicht, ob mein Design so ausdrucksstark und emotional ist. Ich sehe es eher als reduziert mit einem Twist, oft mit einem Mehrwert. Ja, farbig ist es oft. Meine Kindheit ist immer wieder eine Ressource und Inspiration für meine Entwürfe. Es sind vielleicht Bilder, Farben, Erlebnisse oder auch ein Gefühl, das als Ausgangspunkt dient.

Was ist für Sie das Beste an Ihrem Job?
Die sehr unterschiedlichen Sparten, in denen ich arbeiten kann. Mittlerweile ist es eine immense Ansammlung an Erfahrungen, die zusammengekommen sind. Und doch ist jedes Projekt immer wieder etwas Neues. Täglich ist es eine Herausforderung, die es meinen Mitarbeitern und mir ermöglicht, davon zu leben. Besser kann es nicht sein.

 In Zürich hat Alfredo Häberli sein Zuhause gefunden, wo er seit über 25 Jahren auch ein eigenes Studio betreibt.

Anhand welcher Aspekte beurteilen Sie, ob das Design eines Möbelstücks gelungen ist?
Gibt es für Sie eine Art «goldene Regel»?

Regeln gibt es bei Sportspielen, im Verkehr oder im Gesetz. Als Designer werde ich mit Einschränkungen konfrontiert. Zum Beispiel geht etwas technisch nicht –  es erfüllt einen Test nicht und so weiter. Aber ob etwas gelungen ist, entscheide nur ich. Dafür muss man die Designgeschichte kennen, sich den Kontext vor Augen führen, die Wünsche, die Vision und die Realität wissen. Goldene Regel, Rezepte oder eine Gebrauchsanweisung gibt es nicht. Wirklich gelungen ist ein Objekt, wenn es über die Zeit sogar noch besser wird.

Welche drei persönlichen Skills sind für die Arbeit eines Designers am wichtigsten?
Grundlage für jede Form von Kreativität ist die Neugierde. Mit offenen Augen durch die Welt laufen. Neues in Bekanntem zu sehen, sowie ein gewisses Verständnis und keine Angst vor der Technik. Sehr wichtig finde ich, dass man zeichnen kann und so viele Sprachen wie möglich beherrscht. Mit Menschen zu arbeiten, sollte Freude machen.

Alfredo Häberli ist vor allem dafür bekannt, dass er Alltagsgegenstände durch geschicktes Design optimiert. Abgebildet ist die Essence-Trinklglasserie für Iittalia.

Auf welches Ihrer Werke sind Sie besonders stolz?
Bei denen, wo es mir gelungen ist, die Vision zu halten – auch wenn der Prozess unklar und nicht linear war. Zum Beispiel bei den Studienprojekten «Spheres» für BMW oder «Haussicht» für Baufritz. Aber auch Produkte wie die «Essence» Trinkglas-Serie für Iittala, den Stuhl «Segesta» für Alias oder den Ohrensessel «Take a Line for a Walk» für Moroso.  

Das Modell Segesta der hochwertigen Möbelmarke Alias zählt zu den Werken, auf die Alfredo Häberli besonders stolz ist.

Was wären aktuell Ihre drei Tipps für das Einrichten eines neuen Zuhauses?
Nicht alles Ton-in-Ton oder aus einem Katalog zu wählen. Mit Kontrasten und Fremden arbeiten. Bewusst mit Verdichtungen, Ansammlung und luftig, leerem Raum arbeiten. Mut zu farbigen Wänden. Gutes Licht!

Momentan arbeiten Sie an Ihrem Projekt zur «Küche der Zukunft», welches Sie schon bald auf der imm cologne präsentieren werden. Designer-Küchen werden spontan meist mit innovativer Ausstattung und außergewöhnlichen Produktdesigns verbunden. Gibt es weitere oder sogar zentralere Aspekte, die Sie in Ihrer Vision zur Zukunftsküche inspiriert haben?
Der wichtigste Aspekt dieser aktuellen Arbeit, ist das Thema «Degrowth» (Wachstumsrücknahme). Es geht mir dabei nicht um die innovative Ausstattung und aussergewöhnliche Designs. Ich stelle die Fragen: Was brauche ich und wieviel? Welche Geräte? Warum ist ein Kühlschrank immer vertikal angeordnet? Was sind Messer, die ich zum Rüsten brauche? Welche Wasserqualität ist wozu notwendig? Das Projekt soll als Anregung dienen und dank seiner Offenheit und Abstraktion zum Nachdenken animieren. Die Küche soll die Seele des Hauses sein und eine Vision der nahen Zukunft transportieren. 

Alfredo Häberlis „Küche der Zukunft“ steht für reduziertes Design und einen verantwortungsvollen Umgang mit Materialien.

In einem Wort:

Das Gefühl, wenn Sie etwas Neues designt haben:
Herzblut

Die neueste Anschaffung in Ihrem Zuhause:
Stuhl Nr. 1 in Kupfer von Donald Judd

Ihre primäre Inspirationsquelle:
Der Alltag

Lieblingsraum:
Mein Studio

Dieses Accessoire sollte in keinem Zuhause fehlen: 
Ein Mobile

Der Alltag dient Alfredo Häberlis als primäre Inspirationsquelle. Die Entwürfe des Zürichers gehen hinaus in alle Welt. 

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